Interplast-Einsatz Paraguay 08.10.2007 – 27.10.2007

Team:

 

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Stock, Leiter der Hand- und plastisch-ästhetischen Chirurgie LMU München -Innenstadt, Einsatzleiter

Prof. Dr. Heribert Hussl, Hand- und plastische Chirurgie der Universität Innsbruck

Dr. Gudrun Jellinghaus, Anästhesie

Dr. Julia Stegmaier, Chirurgische Klinik, LMU München-Innenstadt, Organisation

Judith Oberpaul, OP-Schwester, Chirurgische Klinik, LMU München-Innenstadt

Katja Schwabe, OP-Schwester, Chirurgische Klinik, LMU München-Innenstadt

 

Landesbeschreibung: Unser Einsatz führte uns nach Asunciòn, der Hauptstadt von Paraguay, einem Land, das gerade in aller Munde ist, jedoch mit einem durchschnittlichem Prokopfeinkommen von 1400 U$ und einem Anteil von ca. 60% der Bevölkerung, der unterhalb der Armutsgrenze liegt, reichlichen Bedarf an humanitärer Hilfe ausweist.

Paraguay ist ein kleines subtropisches Land mit 406.752 qkm im Osten Brasiliens und Norden Argentiniens, das aktuell 5,8 Millionen Einwohner aufweist, wovon 1,5 Millionen in der Hauptstadt leben, die von einer entlegenen Ära des kolonialen Wohlstandes nur wenig bewahrt hat. Paraguay verfügt über 2 offizielle Universitäten, eine staatliche und eine katholische, zudem existieren 48 Universitäten unterschiedlichen Ausbildungsniveaus. Im ganzen Land gibt es zehn plastische Chirurgen, die alle in Praxen tätig sind, so dass sich zwangsläufig eine Unterversorgung im Bereich der rekonstruktiven Chirurgie ergibt.


Initialzündung: Über den vormaligen Präsidenten des deutsch-paraguayanischen Lionsclubs, Günther Scharpf, der sich als Patient in der handchirurgischen Ambulanz unserer Klinik vorstellte, entstand die Idee zu diesem Einsatz, den wir im Oktober realisieren konnten.


Einsatzbeschreibung: Die erste Woche arbeiteten wir im Hospitál Barrio Obrero der Hauptstadt, Asunción, das über etwa 100 Betten und insbesondere über eine hervorragende Intensiv- und Neonatologieeinheit verfügt.

 

Dabei konnten wir Kinder mit angeborenen Fehlbildungen, kompletten und inkompletten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Brachy- und Syndaktylien, sowie insbesondere auffallend viele Narbenkorrekturen nach schwersten Verbrennungen einschließen und operieren.

 

Im Rahmen unseres Aufenthaltes hatten wir auch Gelegenheit, das lokale Centro Nacioál del Quemado  zu besichtigen, ein kleines Krankenhaus mit etwa 60 Betten, das unter Leitung von Dr. Miguel A. Tascarraldo als einziges Zentrum dieser Region vorzügliche Arbeit bei der Primär- und Langzeitversorgung von Verbrennungen leistet.

 

Patient mit III'-igen Verbrennungen an Thorax, Rücken und rechten Arm &

von links nach rechts:
Dr. Miguel A. Tasca:raldo, Prof. Stock, Dr. G. Jellinghaus, Dr. J. Stegmaier

 

Bei einem 12-jährigen Jungen, dem im Alter von 6 Monaten von einem in den Kinderwagen springenden Affen die Nasenspitze abgebissen worden war, konnten wir mittels Ohrknorpeltransplantation eine Nasenrekonstruktion vornehmen, die im Verlauf reizlos verheilte.

 

Ein 4-jähriges Mädchen hatte durch kochendes Wasser schwerste Kontrakturen beider Arme mit einem Abduktionsmaximum von 60° rechts, sowie 75° linksseitig und ausgedehnten Verbrennungen des Thorax erlitten, so dass mittels multipler Z-Plastiken ein annähernd normaler Bewegungsumfang der oberen Extremität wiederhergestellt werden konnte.

 

Die zweite Woche waren wir in einem wesentlich größeren, aus französischer Subvention entstandenen Krankenhaus, Hospital Nacionál in Itaguà, einem Vorort von Asunción tätig. Da dieses univeritäre Hospital mit ca. 1000 Betten über insgesamt 8 Operationssäle verfügt, war es dort logistisch einfacher, uns eigene Operationssäle zur Verfügung zu stellen. Insgesamt konnten wir abzüglich zweier Akquisitionstage in den jeweiligen Krankenhäusern 70 Patienten versorgen, denen durch eigene Mittel keine medizinische Versorgung ihrer schweren Fehlbildungen oder traumatischen Folgeschäden möglich gewesen wäre. Die dritte Woche diente der postoperativen Nachsorge der Patienten.

 

Danksagung: Besonders ist das Engagement des Lionsclubs J.F. Kennedy in Lambaré, sowie Metropolitano de Asunción, dabei insbesondere des persönlichen Einsatzes des Präsidenten Sr. Ricardo de Vera Musa hervorzuheben, deren Hilfe sowohl bei der Akquise der Patienten, als auch bei der Verständigung mit den Patienten unschätzbar war.

Der Einsatz wurde zudem ermöglicht durch Sachspenden der Fa. Braun/Aesculap (Melsungen/Tuttlingen), die uns Dermatome, sowie Akkubohrschrauber zur Verfügung stellten, sowie den Firmen Serag Wiesner, FaBSN, NOBA, 3D Medica, Kurzte, und Lohmann, die uns mit nötigen Naht- und Verbandsmaterialen, sowie Orthesen versorgten. Essentielle Unterstützung bekamen wir von Interplast e.V., die die Übernachtungskosten, sowie die Cargo-Kosten für die Versendung der Medikamente und medizinischen Verbrauchsmaterialen übernahmen.

Im Ländervergleich kann man zusammenfassen, dass abgesehen von den zur Verfügung stehenden Ressourcen die Arbeitsweise im Team das Besondere an diesem Einsatz war.

 

Dr. Julia C. Stegmaier